Ich habe nichts zu verbergen!

Ich möchte an dieser Stelle ein bisschen vereinfachen, weil das gerade IN ist: Die Aussage „Ich habe nichts zu verbergen“ im Zusammenhang mit Informationssicherheit ist entweder naiv, dumm oder politisch!

  • Naiv ist sie, wenn ich fest daran glaube, dass Informationssicherheit in Zeiten weltweiter Verknüpfung von Daten im Internet bedeutungslos ist.
  • Dumm ist sie, wenn ich nicht merke, dass ich mit meinem Nachplappern dem politischen Argument das Wort rede.
  • Politisch ist sie, wenn ich mit der Aussage bewusst Meinung mache.

Was ist eigentlich Informationssicherheit? Ein Verweis auf Wikipedia zeigt, dass das Thema hochaktuell ist und sehr viele Facetten hat.

Welche Verantwortung trage ich persönlich und welche Konsequenzen sollte ich für den Umgang mit Daten ziehen?

Bei der Verantwortung zeigt sich besonders gut, dass es nicht nur um mich selbst geht. Die leichtfertige Aussage, ich habe ja nichts zu verbergen, birgt Risiken für unsere Mitmenschen.

Jeder, der Smartphones der Plattformen Android oder Apple iOS nutzt, bekommt inzwischen Cloud-Speicher angeboten und nutzt Synchronisationslösungen. Das ist sehr praktisch und läuft weitgehend automatisch ab. Als ich mein erstes Android-Smartphone erwarb, dachte ich noch: Ich sollte mich jetzt mal darum kümmern, meine Adressdaten zu sichern! Nur um dann erstaunt festzustellen, dass mein braves Smartphone das automatisch für mich erledigt! Ich fand all meine Kontaktdaten wieder, wenn ich mich von einem ganz anderen Gerät aus bei Google anmeldete. Dankbar lehnte ich mich zurück. Vorbei die Zeiten, in denen ich mühevoll Kontaktdaten in OpenOffice Tabellen auf dem PC gesichert habe! Was für ein Komfort, das nimmt mir doch all meine „Verlustängste“!

Tatsächlich? Was hat das mit unserem Thema zu tun?

Google synchronisiert unter Android grundsätzlich Daten, in diesem Fall meine Kontaktdaten. Inzwischen lässt sich das detailliert einstellen, das war aber nicht immer so. Und überhaupt fragt sich, wer sich durch die komplizierten Einstellungen durchkämpft und nicht den bequemen Weg einschlägt! Und dann sollte man genau hinschauen, was nach Updates passiert, ob man also die „bequeme Google-Lösung“ nach dem nächsten Update wieder ungefragt aufs Auge gedrückt bekommt.

Überlegen wir jetzt mal, woher die Daten kommen. Wer hat hier Daten gesammelt und für wen? Stimmt, ich habe für mich Adressdaten gespeichert, damit ich bequem mit vielen Menschen, zu denen ich eine Beziehung habe, kommunizieren kann. Im Bild oben sieht man, dass das mittlerweile über 500 Adressen sind mit teilweise detaillierten Angaben. 500 Firmen und persönliche Kontakte – eine Menge!

Diese Daten stelle ich jetzt doch einfach mal ungeprüft Google zur Verfügung, denn ich habe ja nichts zu verbergen!


Dass es auch anders geht, zeigt bei genauerem Hinsehen das Bildschirmabbild meiner Kontaktdatenbank oben, denn dort sieht man, dass ich nicht mehr zu Google sondern in eine andere Richtung synchronisiere. Der Weg, den ich da gehe, ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Mit dem Thema hat sich in seinem Blog ausgiebig und allgemein verständlich mein Kollege Jochen Plikat beschäftigt.

Der Weg, den ich vorschlage, versteht Informationssicherheit als Gemeinschaftsaufgabe!


Aus Netzpolitik.org
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